Katholische Kirche St. Verena, Kehlen

Katholische Kirche St Verena Kehlen Totale

Katholische Kirche St. Verena, Kehlen Denkmallogo

Die Kirche St. Verena liegt im alten Ortskern von Kehlen und ist umgeben vom Pfarrhaus, dem Gemeindehaus und dem Kindergarten St. Nikolaus. Sie wurde 1968 eingeweiht. Seit 2003 steht sie nach & 2 Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg unter Denkmalschutz.

Kirchengeschichtliches

Das erste schriftliche Zeugnis der Kirche St. Verena in Kehlen stammt aus dem Jahre 1175. Ein Mann namens Rudolf, der als Mönch in das Kloster Kreuzlingen eintrat, schenkte aus diesem Anlass dem Kloster seinen ganzen Besitz, zu dem auch die Kirche in Kehlen gehörte. Dieses im Laufe der Zeit vielfach veränderte Kirchlein stand zuerst auf dem alten Friedhof in Kehlen und wurde im Jahr 1867 durch einen neuen Backsteinbau im neugotischen Stil außerhalb des Friedhofs am westlichen Ortsrand ersetzt. Kaum 100 Jahre alt, bewegte diese Kirche die ganze Gemeinde, denn im Jahre 1963 stellte man den insgesamt sehr schlechten Erhaltungszustand der Kirche fest und die Gemeinde wurde vor die Entscheidung gestellt, soll die Kirche abgerissen oder saniert werden.

Katholische Kirche St Verena, Kehlen, alte Kirche
Die alte St. Verena Kirche, 1867 – 1967

Vielerlei Fragen stellten sich der Gemeinde:
– Der 36 Meter hohe Turm war baufällig geworden.
– Die Kirche hatte keine Heizung.
– Die nachkonzilare Liturgiereform samt der Aufbruchstimmung der 1960er Jahre musste bedacht werden.

Dies alles waren Gründe, um sich für einen Neubau zu entscheiden. So beschloss der Kirchenstiftungsrat am 6. Mai 1965, die alte Kirche abzureißen und an der gleichen Stelle eine neue zu bauen. Die Ortskirchensteuervertretung gab am 9. Mai 1965 mit 14 zu 2 Stimmen ihre Zustimmung.

Der Zeitraster für den Neubau

– Mai 1965: Der Kirchenstiftungsrat besichtigt einige neuere Kirchen im Raum Stuttgart. Die Architekten Kammerer und Belz, Stuttgart werden mit einem Vorentwurf beauftragt.
– November 1965: Die Architekten legen den ersten Entwurf vor.
– April 1966: Der endgültige Entwurf wird vorgelegt und diskutiert.
– August 1966: Nach einem positiven Gutachten des Bischöflichen Ordinariats erhalten die Architekten Kammerer und Belz den endgültigen Auftrag zum Bau.
– September 1966: Die Frage des Standorts der neuen Kirche wird nochmals im Kirchenstiftungsrat diskutiert.
Dezember 1966: Bischof Dr. Carl Joseph Leiprecht genehmigt in einem Erlass den Kirchenbau.
– 28.März 1967: Am Dienstag nach Ostern werden die Abbrucharbeiten begonnen.
– April 1967: Der Kirchturm, das Wahrzeichen der Gemeinde Kehlen, wird gesprengt.
– Juni 1967: Erforderliche Bodenverbesserungsarbeiten werden vorgenommen.
– August 1967: Man beginnt mit dem Rohbau.
– 26. April 1968: Das Richtfest findet statt.
– 19. Oktober 1968: Die neue Kirche wird eingeweiht.

Katholische Kirche St Verena, Kehlen, Innenraum
Im Zentrum des weitläufigen Innenraums strahlt das Wandbetonrelief „Himmlisches Jerusalem” im Chorraum eine majestätische und sakrale Ruhe aus.
Heute

Die neue Kirche St. Verena in Kehlen veränderte nicht nur äußerlich das Bild von Kehlen – nein, auch innerkirchlich sind neue Zeiten angebrochen. Die Bevölkerung von Kehlen wurde mitgenommen in einen ungeheuren Strukturwandel der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Nicht bei allen allerdings löste dieser gewaltige „Betonbau“ Begeisterung aus. Ein Stück „Heimat“ ging verloren. Da war der junge Pfarrer Joachim Guntram ganz schön gefordert, den Gemeindemitgliedern wieder eine neue Heimat zu geben. Es gelang ihm durch seine jugendliche Frische, die Menschen auf diesem Weg mitzunehmen, und heute ist für die meisten noch lebenden älteren Menschen diese Kirche auch wieder zu einer „Heimat“ geworden.

Katholische Kirche St Verena Kehlen Orgel
Die Orgel mit ihrem barocken Prospekt aus der vorangegangenen St. Verena Kirche wurde in den neuen Kirchenbau integriert. Sie war im Jahr 1867 aus der evangelischen Schlosskirche Friedrichshafen nach Kehlen gelangt.

Kehlen ist sicherlich auch durch diese neue Kirche mit ihren offenen, sehr hellen und einladenden Räumen zu einer modernen, sehr aktiven Kirchengemeinde geworden, die es stets verstand, die Neuerungen auch im Glauben der Menschen immer wieder aufzugreifen und lebensnah umzusetzen.

Mit Stolz dürfen wir heute sagen: Diese Kirche ist ein wertvolles Zeugnis der 1960er Jahre. Nicht nur architektonisch, sondern auch künstlerisch wunderbar ausgestaltet, zeigt sie, wie durch eine gesunde Baukultur Altes erhalten und Neues entstehen kann. Nicht umsonst wurde die Kirche im Jahre 2004 unter Denkmalschutz gestellt.

 

Eigentümer: Katholische Kirchengemeinde St. Verena, Kehlen

 


(Von Wiltrud Lehle, Reute)

 


→ Weiterlesen:
Sankt Verena in Kehlen, Weihe der Pfarrkirche am 19. Oktober 1968. Hrsg.: Katholisches Pfarramt Kehlen, 1968, Erika Dillmann;
Festschrift zur Einweihung des Katholischen Gemeindehauses, Hrsg.: Katholische Kirchengemeinde St. Verena Kehlen 2004, Pia Litz Kehr;
Katholische Kirche St. Verena, Meckenbeuren – Kehlen, Ein kleiner Kirchenführer, Hrsg.: Katholisches Pfarramt St. Verena Kehlen, 2013, Alfred Speckle;
Geschichte zur Gemeinde Kehlen 1937 bis 1972, Hrsg.: Karin Brugger, 2017